Zweistühle
ZurückIn der Bremer Neustadt, in der Westerstraße 2, befindet sich ein Friseursalon, der mehr als nur ein Ort für einen neuen Haarschnitt ist: Zweistühle. Der Name selbst – Zwei Stühle – deutet bereits auf ein intimes und persönliches Erlebnis hin, weit entfernt von der Anonymität großer Salonketten. Betrieben von Friseurmeister Hauke Füllgraf, hat sich dieser Ort einen Namen gemacht, der bei Kunden starke und oft gegensätzliche Reaktionen hervorruft. Es ist ein Geschäft, das für seine außergewöhnliche handwerkliche Qualität gefeiert, aber gleichzeitig für seine betrieblichen Eigenheiten kritisiert wird.
Ein Meister seines Fachs: Die Kunst des Haares
Der zentrale Anziehungspunkt von Zweistühle ist unbestreitbar Hauke Füllgraf selbst. Kundenrezensionen zeichnen das Bild eines Stylisten, der nicht nur Haare schneidet, sondern die Wünsche seiner Kunden versteht und umsetzt, selbst wenn diese zuvor von anderen Salons als unmöglich abgetan wurden. Viele Berichte stammen von Personen, die nach einer langen, frustrierenden Suche endlich den Friseur ihres Vertrauens gefunden haben. Eine Kundin beschreibt, wie sie nach einer Odyssee durch diverse Salons hier endlich die Frisur erhielt, die sie sich seit Jahren gewünscht hatte. Eine andere erzählt, dass ihr jahrelang eingeredet wurde, ein Stufenschnitt sei bei ihrer Haarstruktur nicht realisierbar – bei Zweistühle wurde dieser Wunsch nicht nur erfüllt, sondern perfekt umgesetzt.
Diese Erfolgsgeschichten basieren auf einer intensiven und genauen Typberatung. Kunden heben hervor, dass Füllgraf sich Zeit nimmt, zuzuhören und eine Vision zu entwickeln, die sowohl den Vorstellungen des Kunden als auch dem Handwerk gerecht wird. Es geht hier nicht um eine schnelle Abfertigung, sondern um die Kreation einer „Traumfrisur“. Dieses hohe Maß an Professionalität und Präzision hat dazu geführt, dass der Salon eine treue Anhängerschaft gewonnen hat und Termine oft Monate im Voraus ausgebucht sind, was für die hohe Nachfrage und die Qualität der Arbeit spricht.
Mehr als nur ein Salon: Das Konzept
Zweistühle ist in einer ehemaligen Fahrradwerkstatt untergebracht und bewusst als eine Art Wohnzimmer gestaltet. Mit Möbeln aus den 50er und 60er Jahren, vielen Pflanzen und selbst gebauten Elementen wird eine heimelige Atmosphäre geschaffen, die zum Verweilen einlädt. Hauke Füllgraf, der in vierter Generation als Friseur tätig ist, möchte das vertraute Gefühl des elterlichen Salons wieder aufleben lassen. Dieser Ansatz, der auf Nachhaltigkeit setzt und bewusst auf neue Ressourcen verzichtet, spricht eine Zielgruppe an, die Wert auf Authentizität und Individualität legt. Der Salon versteht sich als Treffpunkt für die lokale Kunst- und Kulturszene und füllt damit eine Marktlücke in Bremen. Das Konzept wird durch ein Shop-in-Shop-System mit Secondhand-Mode und einem Café ergänzt, was das Erlebnis über einen reinen Friseurbesuch hinaus erweitert.
Ein weiteres modernes Merkmal ist das Preissystem. Bei Zweistühle wird geschlechtsneutral nach Zeitaufwand abgerechnet. Dies ist ein progressiver Ansatz, der in der Branche immer mehr Anklang findet und von vielen Kunden als fair und transparent empfunden wird. Gepaart mit der Möglichkeit, ausschließlich mit Karte zu zahlen, positioniert sich der Salon als ein modernes und zukunftsorientiertes Unternehmen.
Die Kehrseite: Wenn das Konzept zur Hürde wird
Wo viel Licht ist, gibt es jedoch auch Schatten. Das strenge, auf digitale Prozesse ausgerichtete Geschäftsmodell von Zweistühle erweist sich für einige potenzielle Kunden als unüberwindbares Hindernis. Die Terminvergabe erfolgt ausschließlich online, was zwar effizient ist, aber Menschen, die den persönlichen Kontakt bevorzugen oder spontan einen Termin vereinbaren möchten, vor den Kopf stößt. Eine besonders kritische Bewertung schildert den Versuch, persönlich im Laden einen Termin zu vereinbaren. Die Anfrage wurde als „schwierig“ abgetan und auf das Online-System verwiesen. Selbst die Frage nach einem Termin in einigen Wochen wurde mit dem Hinweis auf eine monatelange Wartezeit abgewiesen.
Was diese Erfahrung besonders negativ prägte, war das Gefühl, nicht willkommen zu sein. Während der Inhaber mit einer Kundin beschäftigt war, saßen andere Angestellte untätig auf einem Sofa und beteiligten sich nicht am Gespräch. Dieses Verhalten vermittelt einen arroganten und kundenfeindlichen Eindruck, der im starken Kontrast zum sonst so gelobten persönlichen Service während des eigentlichen Haarschnitts steht. Es entsteht das Bild eines zweigeteilten Betriebs: Einerseits der hochgelobte Meister bei der Arbeit, andererseits ein mangelhaftes Serviceerlebnis für Neukunden an der Tür. Für einen Dienstleistungsbetrieb, insbesondere in einem so persönlichen Bereich wie dem Friseurhandwerk, ist der erste Eindruck entscheidend. Hier besteht die Gefahr, potenzielle Stammkunden bereits vor dem ersten Styling zu verlieren.
Für wen ist Zweistühle geeignet?
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Zweistühle ein Friseursalon der Extreme ist. Er ist die ideale Wahl für Kunden, die auf der Suche nach einem hochqualitativen, individuellen Haarschnitt sind und bereit sind, dafür lange im Voraus zu planen. Wer einen echten Haar-Künstler sucht, der auch komplexe Wünsche versteht und umsetzt, wird in Hauke Füllgraf wahrscheinlich den perfekten Partner finden. Die Atmosphäre des Salons, das nachhaltige Konzept und das faire Preissystem sind weitere starke Argumente.
Allerdings ist der Salon absolut ungeeignet für Menschen, die Spontanität schätzen, eine unkomplizierte, persönliche Terminvereinbarung bevorzugen oder einen schnellen Service erwarten. Die strikte digitale Ausrichtung und die langen Wartezeiten sind bewusste unternehmerische Entscheidungen, die jedoch einen Teil der potenziellen Kundschaft ausschließen. Die Kritik am Verhalten der Mitarbeiter bei der Kundenakquise sollte ebenfalls ernst genommen werden, da sie auf eine Schwachstelle im sonst so durchdachten Konzept hindeutet. Wer sich für Zweistühle entscheidet, muss sich auf das System einlassen: Termin online buchen, Geduld mitbringen und sich dann auf ein erstklassiges handwerkliches Ergebnis freuen.